Wohin mit alten Lieblingsteilen? Recycling à la H&M

Was passiert, wenn Stücke, die einmal zu den absoluten Lieblingen im Kleiderschrank gehörten, plötzlich missachtet in der Ecke liegen? Wenn sie ihre Farbe verlieren, ihre Form, das liebgewonnenen Gefühl am Körper – oder vielleicht einfach nicht mehr zu dem Bild passen, das wir von uns selbst haben?

“Das kommt jetzt in den Müll” – so oder so ähnlich höre ich das immer öfter im Familien- und Bekanntenkreis, wenn es um ausgetragene Klamotten geht. Aber was für ein Müll soll das eigentlich sein? Der Hausmüll ja wohl nicht, oder? Ich zumindest bin oft unsicher, wo ich hin soll mit meinen Tüten, die von der Flohmarkt-Tüte zur Altkleider-Sammlung-Tüte wurden und dann “erst mal” monatelang im Flur liegen. Klar, es gibt immer eine von diesen Altkleider-Tonnen irgendwo um die Ecke – aber wo das dann genau landet und wer wirklich von unserem Textilmüll profitiert, das weiß keiner. So richtig wohl kann man sich mit dieser Variante also auch nicht mehr fühlen.

Die Lösung für dieses sicher allseits bekannte Problem kommt, ganz unverhofft, vom schwedischen Textilriesen. “Viel zu schade zum wegwerfen” heißt das neue Motto – und mit dem H&M-Programm “Garment Collecting” gilt das Prinzip Recycling plötzlich nicht mehr nur für euren Verpackungsmüll, sondern eben auch für ausgetragene Lieblingsteile. Was nicht mehr gefällt oder passt wird einfach in der H&M-Filiale um die Ecke abgegeben und dann je nach Zustand weitergegeben oder weiterverarbeitet. Und vielleicht landet das alte Shirt dann als Putztuch wieder bei uns, ganz ohne dass wir es ahnen würden.

Das Projekt läuft seit nunmehr einem Jahr: im Mai 2013 gestartet, konnten bisher schon 5.000 Tonnen Textilien wieder eingesammelt werden. 5 Tausend Tonnen! Das entspricht 15 Millionen neuen T-Shirts. Nun lässt sich gerade anhand dieser beeindruckenden Zahlen sicher lange und ausführlich über unsere kurzlebige Wegwerfgesellschaft an sich diskutieren, und natürlich wissen wir auch alle längstens, dass weniger eigentlich mehr ist, wenn es um den eigenen Kleiderschrank geht. Aber man kann sich und die Welt eben nicht von heute auf morgen ändern – und genau deshalb finden wir das Projekt des Retail-Riesen einen guten ersten Schritt in die richtige Richtung.

Das Video unten illustriert anschaulich und samt mahnender Mutti-Stimme, wie der Recycling-Prozess abläuft und was genau aus euren alten Lieblingen wird. Mehr Infos zur Kampagne findet ihr auch hier.

Fanni liebt das Internet, ihren Kiez in Neukölln, Schaukelstühle, italienisches Essen und Musik, die sie auf dem Sofa hüpfen lässt. Sie kann schneller Bier trinken als alle anderen, verträgt aber außer Mexikaner keine Kurzen.

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