PonyDanceTravel in Devonport – Gewittertanz auf dem Vulkan

Meine schweren Augenlieder wollen noch nicht so richtig als ich mich in meinem kuscheligen Bettchen im aukländischen Trendbezirk Ponsonby nach 15 Stunden Schlaf am liebsten nochmal umdrehen würde. Ganze drei Tage und zwei Nächte war ich abwechselnd im Flieger und an Großflughäfen unterwegs. So lange wach war ich vermutlich noch nie. Es scheint windig draussen zu sein, aber sonnig und ganze 17 Grad. Nicht schlecht für den neuseeländischen Frühling.

Noch immer hallen die Gespräche der deutschen Rucksacktouristen vom gestrigen Abend in meinem Kopf nach: Und, hast du schon eine Steuernummer? oder Heute mach ich mir erstmal ein Bankkonto. Oder auch: Oh man ich bin so gestresst, ich weiß garnicht wie ich mich entspannen soll. Irgendwie finde ich das lustig. Vielleicht bin ich auch zu entspannt, denn durchgelesen was man als deutscher Work & Traveller hier so alles machen muss habe ich mir natürlich noch nicht.

Daher frage ich direkt Pablo aus Bielefeld, er scheint einen Plan zu haben und erklärt mir die Sache mit dem Konto. Ich denke mir während ich vergesse zuzuhören – Super, dass mach ich heute auch, klingt nach nem Plan. Motivationsgeladen laufe ich zur Bank und zeige freudig meinen schnieken deutschen Pass vor, der erfahrungsgemäß die Eintrittskarte zu fast allem im Ausland ist. Die Deutschen. Die mag man eben. Die freundliche Dame am Schalter erklärt mir daraufhin welche Art Papiere ich außerdem bräuchte und dass ich doch damit wiederkommen sollte. Naja, einen Versuch war es wert.

Aber wieso eigentlich der ganze Stress? Oh da unten ist das Meer. Hin da.

Ob ich eigentlich schon verstanden habe wo ich bin und was ich da mache? Sechs Monate down under, realisiere ich das? Mein Hirn braucht erstmal etwas Frischluft und ich schlendere mit einem heissen Long Black in der Hand runter zum Hafen, direkt zum Ferry Terminal wo bunte Rennboote und fette Kreuzfahrtschiffe anlegen. Die Sonne bretzelt mir auf die Kopfhaut und alles fühlt sich gar an wie Berlin im Juni. Und da ist sie die putzige Anzeige: Devonport, urban seaside village, just a 12 minutes ferry trip from Downtown. 

Hach, denke ich mir. Sowas tolles. Mal richtig zum Kopf durchpusten, nur mit mir selbst. Wunderbar! Es soll ja Menschen geben, die können das nicht mit dem Alleinsein. Ich kann das aber richtig gut. In meinem Kopf passiert nämlich meistens eine ganze Menge und das soll sauber sortiert werden. Die Skyline lasse ich somit erstmal hinter mir. Dass ich Auckland an sich noch gar nicht wirklich erkundet habe wird erstmal Nebensache. Ich fahre nach Devonport.

Und auf geht die wilde Fahrt.

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Rumms. Die Fähre legt an, ich bin da. Ich klettere mit den anderen Tagestouristen vom Deck und lasse alles auf mich wirken. Es ist ein charmanter Mix aus Brighton Ende 1800 vs. windige Geisterstadt aus meiner einstigen Lieblingsserie Bonanza. Ein Ort den meine Omi lieben würde mit zu viel teuren Restaurants, inklusive Buchläden mit knuffigen Uraltpostkarten. Ich schlendere die Hafenpromenade entlang und genieße die Aussicht auf die City of Sails. Einen Stadtplan habe ich nicht. Wieso auch.

Prompt packt mich bei der frischen Seeluft der Hunger und entscheide ich mich für die günstige 6-Dollar-Lunch-Variante bei einem vietnamesischen Fish & Chips Kiosk. Fang des Tages, mit Fritter (der Name für etwas undefinierbar Frittiertes was in dem Fall Kartoffelbrei war) und einer riesige Portion Pommes. Kommt im Geschenkpaket, nur für mich. Besteck habe ich natürlich vergessen. Egal, rein mit der guten Sache!

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Und da ist er auf einmal, der Beweis dass es in Neuseeland vier Jahreszeiten an einem Tag gibt. Monsunartiger Platzregen. Ich stelle mich unter und atme tief durch. Die Erde dampft, obwohl es doch eigentlich noch gar nicht so warm ist. Ich befinde mich ja schließlich in den Subtropen. Als es nur noch tröpfelt, fällt mir ein steiler Hügel auf, den eine japanische Reisegruppe völlig durchnässt runtertrabt. Kann ja nicht schaden, da mal nachzusehen.

Neugierig nehme ich die San Francisco-ähnliche Steigung auf mich und finde mich auf einer geteerten, mit dichtem Dschungel bewachsenen Straße wieder die schnurstracks auf einen Vulkan führt. Ja, auf einen richtigen Vulkan! Plötzlich stehe ich auf Mount Victoria – oder in der Sprache der Maori: Takarunga. Als ob das an sich nicht schon eine Sensation wäre, klettere ich noch ein wenig weiter und schaue auf etwas Majestätisches. Ein ehrfürchtiges Gefühl überkommt mich. Eins das wohl gläubige Katholiken in der Kirche haben müssten und ich das letzte Mal hatte als ich in Australien auf das Sternenzelt über dem Ayers Rock blickte. Und da wird mir klar: Die Natur ist groß und ich bin klein. Ich bin in Neuseeland. Ich schaue auf den Rangitoto.

Und allein für diesen Ausblick hat sich schon alles gelohnt.

Später lese ich, dass Rangitoto übersetzt blutiger Himmel heißt und die schwarze Vulkaninsel mit ihren 600 Jahren noch relativ jung ist im Vergleich. Dass sie am besten zu Weihnachten besucht werden soll, weil dort überall die neuseeland-typischen Pōhutukawa-Bäume rot blühen. In diesem Moment wird aber eine Sache plötzlich viel wichtiger, und zwar der knurrende Donner der langsam näher kommt und die dicken Tropfen die sich platschig-dreist auf meinem dünnen Mantel niederlassen. Ich spanne meinen Schirm auf und mache mich eines zügigen Schrittes auf den Rückweg. Das war ein guter Tag.

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Was Julia eigentlich in Neuseeland so vor hat? Fragen und Antworten gibt es hier.

Julia steht auf schwitzige Rockkonzerte, Whiskey und blutige Steaks. Sie braucht jede Nacht mindestens achteinhalb Stunden Schlaf und mindestens zehn Minuten um einen ironischen Witz zu verstehen.

3 Comments

  • Reply September 8, 2014

    Lali

    Tolle Bilder, bin gespannt auf weitere Berichte. :)

  • Reply September 9, 2014

    Julia

    Danke liebe Lali, da kommt auf jeden Fall noch mehr :) Viele Grüße aus Auckland <3

  • […] die gute Julia mich und unser Berlin für neuseeländische Vulkane und einen Ausflug aus der comfort zone verlassen hat, bin ich nicht selten gezwungen, mich allein […]

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