Kiezgespräch: Zum Lunch mit Newniq-Gründerin Julia Depis

An einem schönen Tag in diesem Berliner Frühling haben wir nicht nur in der Sonne gesessen, sondern auch Julia Depis zum Lunch in der Neuköllner Schiller Bar getroffen, um mit ihr über Berlin, Design-Liebe und ihr Startup Newniq zu quatschen. Was es bei Newniq gibt? Schöne Sachen für die Wohnung, schöne Sachen für euch, schöne Sachen für’s Herz. Was genau, das ändert sich jede Woche. Denn alle paar Tage gibt Newniq neuen Designern die Möglichkeit, sich und ihr Produkt vorzustellen – und nur wenn genug Leute es haben wollen, wir es auch produziert. In minikleinen Auflagen und nur für kurze Zeit zu haben. So lernt ihr tolle neue Kreativmenschen kennen, werdet stolze Besitzer von besonderen Produkten, die nur für euch hergestellt wurden, und könnt ordentlich mitfiebern, während die Aktion läuft. Das fanden wir so spannend, dass wir nicht umhin konnten, die Co-Gründerin Julia zu ihrem Projekt zu befragen.

Kommst du ursprünglich auch aus Berlin? Wo wohnst du hier?
Aufgewachsen bin ich in einer kleinen Stadt in Hessen, aber ich wohne jetzt schon einige Jahre in Berlin. Hier hat es mich in’s schön bunte Neukölln verschlagen, wo ich entweder vom Homeoffice aus oder in Co-Working Spaces an unserem Herzensprojekt Newniq arbeite. Judith wohnt momentan nämlich noch in Köln, zieht aber auch bald nach Berlin.

 

Was bedeutet Berlin für dich?
Es klingt wirklich abgedroschen, aber Berlin bedeutet für mich, im Gegensatz zu anderen Städten, mehr Freiheit. Ich habe das Gefühl, dass ich seit ich hier lebe, wesentlich kreativer arbeiten kann. Durch Newniq lerne ich immer wieder unglaublich interessante Menschen kennen, die aus absolut unterschiedlichen Backgrounds kommen, egal ob kulturell oder beruflich. Auf der anderen Seite fordert die Stadt einen auch und man sollte sich auch immer wieder Pausen von Berlin gönnen, um es wieder lieben zu lernen. Generell kann ich mir, was Deutschland betrifft, gerade jedoch keine andere Stadt vorstellen und wenn man nicht alles zu ernst nimmt, dann kann man hier sehr glücklich werden.

 

Wo findet man dich hier im Kiez?
Meistens tatsächlich auf dem Tempelhof, der quasi direkt vor der Haustür liegt. Liebend gerne würde ich jetzt sagen, dass ich ein konsequentes Sportprogramm durchziehe und gestylt mit Neon-Jogger-Jacke über den Tempelhof jage, aber das wäre weit übertrieben. Tatsächlich gehe ich meistens spazieren, tanze heimlich auf den Feldern oder rolle mit dem Cruiser auf der Landebahn auf und ab. Und wenn ich nicht auf dem Feld bin, dann überall da, wo es was zu Essen gibt. Als Halbgriechin bin ich ein absoluter Genussmensch! In meiner Straße gibt es lediglich eine einzige Bar, das Lipopette. Die Besitzer, die aus Frankreich kommen, bieten Berlin-untypisch einen wirklich guten Service und die Musikauswahl ist eigentlich immer gut.

 

Und was wünschst du dir ganz persönlich für dein Berlin?
Ich wünsche mir, dass Berlin nicht all seine Kreativen durch immer höhere Mieten aus der Stadt treibt, denn auch wenn ich persönlich nicht auf jede Art von Kleinkunst stehe, macht sie doch trotzdem zum großen Teil das Lebensgefühl in Berlin aus. Für Newniq wünsche ich mir natürlich weiterhin viele Berliner Kreative und dass die Startup-Szene weiter so engagiert bleibt, wie sie es gerade ist!

 

Erzähl doch mal: wie kam es eigentlich zu Newniq?
Die Idee zu Newniq entstand schon vor ca. zwei Jahren – wir haben uns dann die nötige Zeit gelassen von da bis zum Start der Website im Herbst 2013. Aber zurück zum Beginn: ich bin ja eigentlich Art Direktorin und Illustratorin. Vor ein paar Jahren hatte ich wieder irgendeine fixe Idee und habe beim Recherchieren festgestellt, dass es keine Plattform im Internet gibt, auf der Designer Produkte verkaufen können, ohne vorher produzieren zu müssen. Das kann gerade bei hohen Produktionskosten ein Grund sein, die Idee gar nicht erst umzusetzen – und das fand ich schade. Meine Freundin und Geschäftspartnerin Judith ist die Business-Frau von uns beiden und war sich gleich sicher, dass wir diese Lücke auf dem Designmarkt zusammen füllen müssen.

 

Ein klassischer Onlineshop seid ihr ja nicht, aber ich würde euch auch nicht als Flash-Sale Shop einordnen. Als was seht ihr euch selbst?
Wir sind da auf jeden Fall in einer Nische, die sich nicht so leicht definieren lässt. Weil bei uns die Käufer entscheiden, ob ein Produkt überhaupt produziert wird und nur handverlesene Designer auf Newniq verkaufen würde ich sagen, dass wir eine Mischung aus einer Crowdbuying-Plattform und einem nischigen kleinen Online-Shop sind.

 

Wo du handverlesen sagst: wie kommen die Produkte überhaupt auf Newniq?
Uns ist es sehr wichtig, dass wir auf Newniq neue Designer zeigen, die bei uns etwas anbieten, das es sonst noch nicht gibt. Deshalb rennen wir wie wild über alle Designmessen, -Märkte und -Events, durchforsten das Internet nach schönen Produkten und sprechen Designer an, von denen wir denken, dass sie gut zu Newniq passen würden. Auf unserer Seite bewerben sich Designer aber auch oft direkt und reichen ihre Produkte ein. Das freut uns natürlich sehr, auch wenn es das Selektieren manchmal noch schwieriger macht. Das ist aber wichtig, damit Newniq ein Ort für besondere handgemachte Dinge bleibt.

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Aktuelle Newniq-Lieblingsstücke der PonyDanceClyde Crew …

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Es gibt inzwischen viele Onlineshops, die Handgemachtes verkaufen und mit Angeboten wie Tictail wird es für Kreative immer einfacher, einen eigenen Shop aufzusetzen. Was ist das Besondere an Newniq?
Wir sind kein regulärer Abverkauf-Shop, dadurch ist es eine ganz neue Art online einzukaufen: wenn man bei einer Aktion mitmacht, fiebert man richtig mit und baut dadurch schon eine besondere Verbindung zu seinem neuen Produkt auf, noch bevor es produziert wurde. Zudem erfährt man etwas über den Designer, der hinter dem Produkt steht. Die Kunden selbst bestimmen, was produziert wird und was nicht – und prägen so das Angebot auf dem Designmarkt mit. Das finde ich immer wieder spannend.

 

Kannst du uns verraten, was dir bei der Auswahl der Designer besonders wichtig ist?
Newniq heißt nicht nur so weil’s gut klingt, es geht wirklich um Produkte, die neu und einzigartig sind. Die Designer verkaufen bei uns etwas, das es nirgends sonst gibt. Aktuelles Beispiel: Mit der Berliner Schmuckdesignerin Alexa von Heyden (Anm. d. Red.: die hatten wir euch schon in unserem Adventskalender vorgestellt) haben wir in Kooperation mit der Modejournalistin Julia Stelzner ein tolles von hey Armband mit Brezel-Anhänger gelauncht – ein noch nicht da gewesenes, einzigartiges Produkt.

 

Und wie sieht es bei euch zuhause aus? Steht deine eigene Wohnung schon voll mit Designprodukten, die es auf Newniq gab?
Die Auswahl der Designer ist natürlich ein sehr subjektiver Prozess und wir würden alles, was wir auf Newniq verkaufen auch selbst haben wollen. Letztes Jahr habe ich mich irgendwann total gewundert, als ich meine Mutter auf der Bestellerliste fand. Ich hatte anscheinend so von der Aktion mit der schönen James Castle Tasche geschwärmt, dass meine Mutter mir eine zu Weihnachten geschenkt hat.

 

Worauf freut ihr euch mit eurem Projekt Newniq besonders?
Am meisten freuen wir uns auf die vielen tollen Designer, die wir dank Newniq noch entdecken werden. Newniq bietet noch so viele Möglichkeiten und wir haben noch so viele Ideen in unseren Köpfen. Wir freuen uns auf jede einzelne Aktion und alles, was noch kommen wird, da Newniq eine Herzensangelegenheit ist, für die wir uns auch gerne mal die Nächte um die Ohren schlagen.

 

Danke Julia für das schöne Lunchdate – und ganz viel Erfolg mit Newniq!

Fanni liebt das Internet, ihren Kiez in Neukölln, Schaukelstühle, italienisches Essen und Musik, die sie auf dem Sofa hüpfen lässt. Sie kann schneller Bier trinken als alle anderen, verträgt aber außer Mexikaner keine Kurzen.

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