Mit Ice Cream Cathedral über Weltraumfilme, Kopenhagen und die Zukunft

Aufmerksame Leser dieses Blogs mögen sich noch dunkel daran erinnern, dass ich unsterblich in die Dänische Band Ice Cream Cathedral verknallt bin. Die blutjungen Kraut-Popper aus Kopenhagen haben es mit ihrer tagträumerischen Weltraummusik sehr angetan und ich kann genau nichts dagegen tun. Deswegen haben wir uns zusammen gefunden und uns einfach persönlich getroffen, direkt an Mittsommer mitten in Berlin. Und natürlich habe ich ihnen einige lebensrelevante Fragen gestellt und darüber philosophiert, wieso Weltraumfilme aus der Vergangenheit das Raum-Zeit-Gefühl auflösen und wieso man sich zwischen Skaten und Schlagzeug-Spielen entscheiden muss. Seht selbst!

Julia: Heute ist in Schweden Midsommar. Feiert ihr das überhaupt in Dänemark?

ICC: Ja wir feiern das, nur anders…Aber jedes Jahr diskutiert ganz Dänemark ob wir es überhaupt feiern sollten weil unsere Version ist ziemlich furchtbar. Es ist eine Tradition wo man erst ein großes Lagerfeuer anzündet, am besten am Wasser. Dann bastelt man aus Holzstöcken und Stroh so etwas wie eine Hexe und fackelt sie ab. Wie im Mittelalter. Das finden wir barbarisch. In der Hexe sind außerdem Feuerwerksknaller, also explodiert sie ziemlich grafisch. Und dann stehen alle ums Feuer herum und singen wie in einer Sekte. Dann besaufen wir uns. Total abgefuckt.

Julia: Klingt gewöhnungsbedürftig. Lasst uns lieber über eure Heimat reden. Was mögt ihr an Kopenhagen besonders?

ICC: Wir lieben Kopenhagen. Es gibt viele gute Dinge die man über Kopenhagen erzählen kann. Am meisten mögen wir dass es die größte Stadt Dänemarks ist aber eigentlich wie ein Dorf daher kommt. Kopenhagen will größer sein als es eigentlich ist. Das ist schön. Alles ist so klein und vertraut. Trotzdem bekommt man niemals Platzangst weil der Weg in den Wald  oder ans Meer so kurz ist. Auch die Musikszene ist winzig aber es passiert so viel. Im Norden der Stadt ist das Zentrum der dänischen Punkmusik. Es gibt eine legendäre Konzerthalle namens Mayham, wo auch Ice Age zum ersten Mal auftraten. Wir haben auch größere Hallen zum Beispiel das Vega. Trotzdem haben die großen Venues immer einen kleineren Bruder, wo persönlichere Auftritte stattfinden.

Julia: Ich habe mir euer letztes Video angeschaut und kam mir vor wie bei Star Trek. Woher kommt eure Faszination für das Weltall?

ICC: Das hat mit unserem ersten Album angefangen. Wir lieben alte SciFi-Filme aus den Siebzigern und Achtzigern. Unser letztes Video war eine Hommage daran, wir sind von einer Ära beeinflusst. Retro-Weltraumfilme sind unser Ding. Wir lieben wie die Menschen damals sich die Zukunft vorgestellt haben. Sich die Zukunft in der Retrospektive vorstellen. Das löst das ganze Raum- und Zeitgefühl auf.

So wie 2001: A Space Odyssey. Der Film ist von 1968. Die Leute haben sich damals das Jahr 2001 vorgestellt, das nun in der Vergangenheit liegt. Diese alten Filme aus den Siebzigern und Anfang der Achtziger haben alle diesen Spirit. Den kann man nicht direkt erklären, es ist dieser Vibe. Der Synthesizer war der Sound der Zukunft. Diesen Spirit wollen wir einfangen. Diese Naivität in Jahren wo sich so viele neue Technologien entwickelt haben. Dieses Gefühl haben wir heute verloren. Wir mögen aber auch neuere SciFi-Filme. So wie Elysium mit Matt Damon. Oder Prometheus von Ridley Scott. Und natürlich Matrix.

Julia: Wo wir gerade von der Zukunft reden, was steht bei euch als nächstes an?

ICC: Wir spielen viele Festivals im Sommer. Zum Beispiel auf dem Trailer Park Festival, das in einem Skatepark stattfindet. Das Publikum sieht sich die Shows von Skaterampen an. Das Ganze wurde von Designern aus Kopenhagen visualisiert und sieht super stylish aus. Ich habe mal geskatet. Aber ich bin die ganze Zeit hingefallen und hab mir auch noch beide Knöchel zwei mal gebrochen. Ich hatte fünf Schädeltraumata. Dann habe ich mich entschieden aufzuhören, weil ich alle meine Knochen zum Schlagzeugspielen brauche. Wir lieben kleine gemütliche, besondere Festivals. Außerdem spielen wir in drei Wochen in Hamburg-Altona. Ein dänisches Showcase. Und wir planen eine Herbsttour und unser neues Album.

Julia: Macht ihr außer der Band noch andere Dinge?

ICC: Die Band ist unser Hauptprojekt aber wir haben auch einige Nebenprojekte. Ich zum Beispiel spiele auch mit Taragana Piarama, der ist auf dem deutschen Label Kompakt. Die anderen Bands kannst du wahrscheinlich nicht aussprechen. Außerdem wollen wir alle wieder an die Uni und unseren Master machen nach den Sommerferien. Wir haben so viele Projekte. Christian programmiert zum Beispiel gerne. Anja nimmt viel auf und ich bin Produzent.

Julia: Letzte Frage: Euer Sound in drei Wörtern?

ICC: Ui, da müssen wir jetzt aber etwas hochtrabendes ausdenken. Geschichten erzählen ist uns auf jeden Fall wichtig. Filmisch sollte ein Wort davon sein. Space Pop sagen wir immer das ist langweilig.

Vielleicht Geschichten erzählen auf Acid. Das hört sich cool und radikal an.

Vielen Dank an Ice Cream Cathedral für das tolle Kurz-Interview.

Julia steht auf schwitzige Rockkonzerte, Whiskey und blutige Steaks. Sie braucht jede Nacht mindestens achteinhalb Stunden Schlaf und mindestens zehn Minuten um einen ironischen Witz zu verstehen.

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