Ein halbes Jahr Neuseeland – oder so…

Manchmal gibt es Dinge im Leben, die muss man einfach machen, sonst wird man kreuzunglücklich. Und genau so etwas steht mir gerade bevor. Und seit Monaten fragen mich gefühlte fünfzig Menschen immer wieder die gleichen Dinge zu meinem Vorhaben. Da dachte ich mir: Hey, ich mach einfach ein Interview mit mir selbst und fasse alle eure Fragen zusammen. Gnihi ich Fuchs. Und für die, die es noch nicht wissen, hier die “bahnbrechende” Neuigkeit vorab:

Ja Berlin, ich bin mal kurz weg!

Vor drei Monaten hab ich meinen Job als PR-Beraterin an den Nagel gehängt und einen Flug gebucht. Nach Auckland, der größten Stadt der Neuseeländischen Nordinsel. Okay, so groß ist sie auch wieder nicht. Aber die City of Sails! Wo man irgendwie überall direkt am Meer wohnt und wo es aktuell Winter ist, mit kuscheligen 14 Grad. Wo Neukölln Ponsonby heißt und Sternerestaurants knusprigen Schweinebauch servieren. Ja genau, dort geht es hin und es klingt wahrscheinlich aufregender als es eigentlich wird. Seht selbst:

 Julia, wie kommt man mit 29 Jahren auf die Idee, ans andere Ende der Welt zu ziehen?

Das ist eigentlich ganz leicht. Nach über vier Jahren in einer (ziemlich tollen) Berliner PR-Agentur brauchte ich mal wieder frische Luft. Ich wurde mir selbst zu gemütlich. Alles war “okay”. Zu “okay”. Ich wollte mich selbst aus meiner eigenen Wohlfühlzone schmeissen weil “okay” mir nicht genug ist. Ich bin jung, gesund und will die Welt sehen. Weil: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Hast du sowas schon mal gemacht?

Ja, 2004 habe ich ein Jahr lang in Australien gelebt und gearbeitet. Ich habe Tomaten geerntet, monatelang in meinem Auto gewohnt und die tollsten Städte, die verrückteste Natur und die witzigsten Menschen kennengelernt. Man könnte sagen das war das intensivste Jahr meines Lebens. Und weil das so toll war vermisse ich Land und Leute seit ganzen zehn Jahren und werde auch dem roten Kontinent mindestens einen Besuch abstatten. In Neuseeland war ich 2011 schon mal, leider aber viel zu kurz. Dass muss sich ändern.

Was ist eigentlich Work & Travel?

Work & Travel kann so ziemlich jeder machen, der einen deutschen Pass hat und noch keine 31 Jahre alt ist. Im Prinzip ist das ein Arbeitsvisum, mit dem man sich auf fremden Kontinenten lustige oder auch sinnvolle Jobs suchen kann. Alles was du brauchst ist ein Hin- und Rückflugticket zu den Work&Travel Ländern und ca. 3.000 Euro Taschengeld auf dem Konto. Deutsche dürfen nach Kanada (das geht sogar bis 35 Jahre), Japan, Australien oder Neuseeland . Das Visum wird online beantragt, dazu nötig ist nur ein gültiger Reisepass. Nach 48 Stunden bekommt man dann im Idealfall eine Email von der jeweiligen Einwanderungsbehörde. Die Email ist das Visum. Muss man nur ausdrucken und in den Pass tackern. Keine Pointe.

Wieso Neuseeland?

Das kam mir am logischsten vor weil es am nächsten an Australien ist, das ich so sehr vermisse. Zwei Trips, die man gut verbinden kann. Mein Arbeitsvisum für Australien ist ja leider bereits verbraucht. Außerdem kenne ich Neuseeland touristisch in der Theorie durch meine Arbeit in und auswendig, aber was mich interessiert sind die Menschen. Die Mentalität. Das richtige Neuseelandgefühl, das man nur bekommt, wenn man alleine auf irgendeiner Klippe sitzt und ein paar Wale vorbei schwimmen sieht. Oder mit einem hundert Jahre alten Mann spricht, der in einem abgeranzten UFO Kürbisse züchtet. Auf genau sowas hab ich Lust.

Was muss man vorher so alles erledigen?

Eigentlich gar nicht so viel – außer sich überwinden und womöglich seinen Job kündigen. Ich habe außerdem meinen Handy-Vertrag und mein ZEIT-Abo pausiert und mein WG-Zimmer untervermietet. Und eine Kreditkarte bei der DKB beantragt, mit der ich auf der ganzen Welt kostenlos Geld abheben kann. Natürlich sollte man genug Kohle für das Ganze gespart haben. Oder halt seinen Bausparvertrag auflösen. Wer fleißig ist bastelt einen englischen Lebenslauf und nimmt den auf einem USB Stick mit, damit das mit den Bewerbungen vor Ort schneller von der Hand geht. Und nein, letzteres habe ich noch nicht gemacht.

Hast du denn gar keine Angst?

Angst – Hmmm… Im ersten Moment würde ich sagen: Nein, zumindest nicht so, wie man es annehmen könnte. Es ist für mich nichts Ungewöhnliches im Ausland zu leben und zu arbeiten, nach Australien damals habe ich drei Jahre in Holland studiert und bin zum Praktikum nach New York. Fünf Jahre meines Lebens habe ich nicht in Deutschland gewohnt und auch meine Arbeit in Berlin war international ausgerichtet. Ob ich jetzt auf Englisch oder Deutsch arbeite ist also wurscht.

Angst. Wenn ich genauer darüber nachdenke sage ich dann trotzdem: Ja, natürlich! Und zwar die Angst, von zuhause weg zu sein. Dass meine Eltern an Weihnachten traurig sind, ich meine Schwester erst wieder nächstes Jahr in Stockholm besuchen kann und dass mein Papa ohne mich die neue Wohnung einrichtet. Dass sich in Berlin die Welt ohne mich weiterdreht, Janos alleine Burger essen muss und Fanni alleine co-worken geht. Angst, dass ich Freunde und Familie so sehr vermisse, dass ich mich dort auf der Stelle umentscheide und sofort zurückkomme. Und dann denke ich mir: Jetzt reiss dich doch mal zusammen verdammt, Heimweh hattest du doch sonst nie! Ja stimmt. Aber jetzt halt schon. Aber das Abenteuer ruft ganz laut und ich muss da jetzt hin.

Was ist dein Plan in Neuseeland?

Die Herausforderung für mich ist:  Ich habe keinen Plan. Bis ich dort bin darf es keinen Plan geben. Das ist der Sinn des Ganzen, das ist Freiheit Also gibt es nur einen Miniplan: Ich habe ein Zimmerchen für die ersten drei Nächte und den Flughafentransfer gebucht, der mich nach der 40-Stunden-Odysee über London und Hongkong mit Augenringen in Empfang nehmen darf. Dann ist der Plan mit so vielen Menschen wie möglich zu reden, damit ich irgendwo irgendeine Arbeit bekomme. Die muss man sich suchen wie eben überall anders auch und von Gartenlandschaftsbau bis Social Media bin ich zu allem bereit.

lobster

… und was ist dein Plan wenn du wieder in Berlin bist?

Also bitte entschuldigt. Aber die Frage macht nun wirklich keinen Sinn. Woher soll ich das denn wissen? Womöglich ist Neuseeland doof und ich komme nach zwei Wochen wieder. Womöglich treffe ich eine Menge cooler Menschen und das halbe Jahr wird etwas länger. Allerdings habe ich das starke Gefühl, dass ich über kurz oder lang wieder in der Berliner Medienbranche landen werde. Time will tell.

Was nimmst du so mit?

Ähm ja. Nur so viel wie ich tragen kann. Also ein Rollkoffer und ein Tagesrucksack. Wichtig sind mein Reisepass, mein Laptop, mein Handy und einen Weltadapter. Ich muss euch ja schließlich auf dem Laufenden halten. Und ich hab tolle Wanderschuhe von Mama bekommen, die ich unbedingt für mindestens einen der Great Walks benutzen werde. Und Desinfektionsmittel und Badelatschen. Ohgott, bin ich spießig.

Schreibst du weiterhin für PonyDanceClyde?

Natürlich, ich kann doch Fanni mit unserem Herzensprojekt nicht allein lassen! Dank dem Internet machen mir die 12 Stunden Zeitverschiebung rein gar nichts aus. Ihr könnt euch auf eine intensive Berichterstattung freuen, ich hoffe es wird spannend.

Wann geht es los und wie lange dauert das? 

Ich fliege am 1.9. um sieben Uhr morgens von Berlin los. 40 Stunden werde ich unterwegs sein, mit zehn Stunden Aufenthalt in UK und acht Stunden in Hongkong. Am dritten September komme ich um 13 Uhr Neuseeländischer Zeit in Auckland an. Ihr müsst 12 Stunden zurückrechnen, bei euch ist es dann demzufolge ein Uhr nachts. Bis dahin weile ich noch in Berlin und tüte letzte Erledigungen ein. Yeah.

Wir sehen uns am anderen Ende der Welt. Bis gleich.

nznz

Und Fanni? Die heult Abschiedstränen und freut sich auf ihre Reise nach Curaçao.

Alle Reiseberichte gibt’s hier.

Julia steht auf schwitzige Rockkonzerte, Whiskey und blutige Steaks. Sie braucht jede Nacht mindestens achteinhalb Stunden Schlaf und mindestens zehn Minuten um einen ironischen Witz zu verstehen.

10 Comments

  • Reply August 26, 2014

    Nina

    Juliaaaa! Ich wünsche dir so eine gute Zeit… das wird ganz toll, weil Neuseeland ist toll! Nur das mit dem Kanada Visum bis 35 hättest du mir nicht sagen dürfen….

  • Reply August 26, 2014

    Julia

    Danke du liebe, ich denke das auch! (CANADA – I KNOW RIGHT??!!!)

  • Reply August 26, 2014

    mmepassepartout

    OMG das ist ja toll! Ich hoffe, du machst dort riesen tolle Erlebnisse und musst nicht nur auf Schafsfarmen arbeiten.
    Hui, sowas muss ich auch auf jeden Fall mal machen.

  • Reply August 26, 2014

    Matze

    Jetzt haben wir uns vor deinem Trip doch nicht mehr gesehen, daher noch mal an dieser Stelle: Gaaaaanz viiiiieeeel Spaaaaaaaß und pass auf dich auf! :)

  • Reply August 26, 2014

    Julia

    Danke Raika <3 <3 <3 Schafsfarmen – öhm – wer weiß das schon 😀 Komm vorbei!

  • Reply August 26, 2014

    Julia

    Danke Matze <3 Spätestens nächstes Jahr treffen wir uns wieder an den Landauer Plattentellern <3

  • Reply August 26, 2014

    Tom

    hi julia, hab mich schon jewundert, warum ick keene neuseeland-texte mehr von dir bekomme. jetzt bin ick schlauer. wünsche dir eine schöne zeit. enjoy. :-)

  • […] Ein halbes Jahr Neuseeland – oder so… […]

  • […] die gute Julia mich und unser Berlin für neuseeländische Vulkane und einen Ausflug aus der comfort zone verlassen hat, bin ich nicht selten gezwungen, mich allein auf zu machen zu den Events, die uns […]

  • […] eigentlich Neuseeland, und überhaupt? Wie es zu Julias Auslandsaufenthalt kam, könnt ihr hier […]

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