Angeschaut: Finding Vivian Maier – Jetzt im Kino

Die Berlinale ist jedes Mal wie eine kleine Lotterie. Was wird gespielt? Ist alles, was mit Action, Psycho-Thriller oder ähnlich spannendem zu tun hat, wieder zu hart für meine schwachen Nerven? Und für welche Filme bekommt man überhaupt noch Karten?
Dieses Jahr habe ich sie gewonnen, die Lotterie: Auf der Berlinale 2014 durfte ich meinen absoluten Favoriten im Programm sehen – die Dokumentation über die New Yorker Fotografin Vivian Maier. Jetzt ist “Finding Vivian Maier” im Kino angekommen und ich muss sagen: hin da mit euch!

Warum? Weil eine Doku selten so spannend war, so vielseitig und gleichzeitig so voll von schönen Bildern. Der Film “Finding Vivian Maier” gibt einen unvergleichlichen Einblick in die Vereinigten Staaten im 20. Jahrhundert: in eine Klassengesellschaft, in das Leben auf der Straße und in gutbürgerlichen Vorstadt-Familien. Er kreist um die Person Vivian Maier wie ein Adler, durchleuchtet ihr ganzes Leben, jede erkennbare Bewegung. Man beobachtet sie und ihr Schaffen, umkreist sie, analysiert sie fast schon manisch aus den verschiedenen Perspektiven der Menschen, die sie kannten – und kommt doch nie wirklich bei ihr an.
Am Ende ist es kein klares Bild das bleibt. Es sind vielmehr viele verschiedene Bilder einer Frau, die polarisierte, beobachtete, bestimmte und bei den Menschen, die sie umgaben, die unterschiedlichsten Erinnerungen und Emotionen hinterließ.

Was diesen Film so besonders macht ist auch, dass er sich nicht entscheiden muss. Die Portraits von Person und Künstlerin funktionieren in “Finding Vivian Maier” nebeneinander, jedes für sich, ohne das andere zu werten. Er zeigt eine Frau, die die Öffentlichkeit als Künstlerin gnadenlos beobachtete, sie als Person aber gleichzeitig scheute.
Und die letztlich nur durch einen glücklichen Zufall in einem New Yorker Auktionshaus ins grelle Licht der Welt gerückt wurde. Mit zahlreichen Ausstellungen und jetzt mit dieser spielfilmlangen Dokumentation – und die dennoch so wenig greifbar bleibt. Das ist genau das, was “Finding Vivian Maier” zu so einer spannenden Dokumentation macht.

Bilder © AP/Maloof Collection, Vivian Maier.

“Finding Vivian Maier” läuft im OmU derzeit in verschiedenen Berliner Kinos, darunter auch in meinem liebsten Arthouse-Kino der Stadt: das Neue Off auf der Hermannstraße.

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Letztes Mal haben wir uns den Surf-Film “The Old, The Young & The Sea” angeschaut. 

Mehr Film-Empfehlungen zum angucken gibt’s hier.

Fanni liebt das Internet, ihren Kiez in Neukölln, Schaukelstühle, italienisches Essen und Musik, die sie auf dem Sofa hüpfen lässt. Sie kann schneller Bier trinken als alle anderen, verträgt aber außer Mexikaner keine Kurzen.

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